Frankie Rufus
Jan 15

Gehen oder Bleiben?

Diese Phase des Zweifels gehört zu den schmerzhaftesten menschlichen Erfahrungen.
Es ist ein Zustand der emotionalen Schwerelosigkeit: Man ist weder ganz weg noch ganz da, und das Herz fühlt sich an wie ein Kämpfer, der gegen sich selbst antritt.

Zwischen Festhalten und Loslassen: Eine Orientierungshilfe

Wenn die Frage „Gehen oder Bleiben?“ zur Qual wird, liegt das meist daran, dass zwei Grundbedürfnisse miteinander kollidieren: Unser Bedürfnis nach Sicherheit und Bindung und unser Bedürfnis nach Autonomie und Selbstachtung.

Hier sind einige faktenbasierte und einfühlsame Gedanken, die dir helfen können, das Chaos in deinem Kopf zu ordnen.

1. Die Psychologie der Ambivalenz

Es ist wichtig zu verstehen: Dass du zweifelst, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass dir die Beziehung (oder die Person) einmal sehr viel bedeutet hat.
Das Gehirn bewertet Verluste doppelt so schwer wie Gewinne (die sogenannte Verlustaversion).
Deshalb fühlt sich der Gedanke an eine Trennung oft wie ein physischer Schmerz an – das Gehirn aktiviert in solchen Momenten ähnliche Areale wie bei einer Verletzung.

2. Die „Vier apokalyptischen Reiter“ (nach John Gottman)

Die Beziehungsforschung hat klare Anzeichen identifiziert, wann eine Partnerschaft toxisch wird oder kaum noch zu retten ist.
Wenn diese vier Verhaltensweisen den Alltag dominieren, ohne dass daran gearbeitet wird, ist das Alarmsignal laut:

Kritik

Ständige Angriffe auf den Charakter des Partners statt auf ein konkretes Verhalten.

Verachtung

Herabschauen auf den anderen, Sarkasmus oder Augenrollen (der stärkste Prädiktor für eine Trennung).

Rechtfertigung

Abwehr von Verantwortung; man sieht sich nur noch als Opfer.

Mauern

Emotionaler Rückzug und Schweigen, um Konflikten auszuweichen.

3. Die Falle der „Sunk Cost Fallacy“

Oft bleiben wir, weil wir bereits so viel Zeit, Energie und Liebe investiert haben.
Wir denken: „Ich kann die letzten zehn Jahre nicht einfach wegwerfen.“
Doch die Psychologie lehrt uns: Die Vergangenheit ist ein „versunkener Aufwand“.
Die entscheidende Frage ist nicht, was du investiert hast, sondern: „Würdest du dich heute, mit deinem jetzigen Wissen, noch einmal für diesen Menschen entscheiden?“

4. Die „Wachstums-Frage“

Eine gesunde Beziehung sollte ein Ort sein, an dem beide Partner wachsen können.
Frage dich ganz ehrlich:

Macht diese Beziehung mich zu einer kleineren, ängstlicheren Version meiner selbst?

Oder ist sie ein sicherer Hafen, der mir Kraft gibt, die Welt zu erobern?

Liebe ich die Person, wie sie heute ist, oder liebe ich nur das Potenzial, das ich in ihr sehe (oder die Erinnerung daran, wie es früher war)?

Verzeih dir deine Unentschlossenheit.
Du musst diese Entscheidung nicht in einer Minute treffen.
Manchmal braucht die Seele Zeit, um das zu begreifen, was der Kopf schon lange weiß – oder umgekehrt.

„Manche Menschen glauben, dass Festhalten ein Zeichen von Stärke ist. Aber manchmal erfordert es viel mehr Kraft, loszulassen.“

Nimm dir einen Moment der Stille.
Stell dir vor, du triffst eine Entscheidung – egal welche.
Wie fühlt sich dein Körper in der Vorstellung an, wenn du „gegangen“ bist?
Fühlt er sich schwer und leer an, oder spürst du eine plötzliche Erleichterung in der Brust, auch wenn sie von Tränen begleitet wird?
Dein Körper kennt die Antwort oft vor deinem Verstand.

Hugs and Sunflowers

Frankie

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